HNO Fachinfo Pädiatrische HNO-Heilkunde

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie auf unsere Website „hno-landshut.info“ als Informationsportal unter der Website „HNO Arzt Landshut“ aufmerksam wurden.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen rund um die Themen Pädiatrische HNO-Heilkunde, also Hals-Nasen-Ohrenerkrankungen bei Kindern. Wir hoffen, dass Sie hier auf Ihre Fragen eine Antwort finden. Bevor Sie sich zu verschiedenen Fragen informieren, sollten Sie sich wie bei allen unseren Informationen im Netz über folgende wichtige Punkte im Klaren sein:

-Eine Information im Internet kann den Arztbesuch mit Ihrem Kind nicht ersetzen.
Jeder Patient, jede Patientengeschichte ist individuell. Bei der ärztlichen Urteilsbildung und Empfehlung für Ihr Kind fließen üblicherweise zahlreiche Überlegungen und Aspekte mit ein, die sich trotz aller Mühe nicht auf einer Website ausreichend darstellen lassen. Gut informierte Eltern erleichtern das Arzt-Patienten-Gespräch und helfen schlussendlich auch dem Kind. Den Arztbesuch können Informationen aus dem Netz nicht ersetzen.
 
- Medizinisches Wissen unterliegt dem Wandel.
Die hier gegebenen Informationen wurden nach bestem Wissen nach dem aktuellen medizinischen Wissensstand erstellt. Dieses Wissen ergibt sich aus langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohrenbereich bei Kindern im ambulanten und im stationären Bereich. Und doch dürfen die hier nachlesbaren Informationen nicht als dogmatische, unverrückbare Wahrheiten aufgefasst werden.

-Ärztliches Handeln unterliegt der Therapiefreiheit.
Das bedeutet, dass Sie durchaus von verschiedenen Ärzten abweichende Therapieempfehlungen erhalten können, da einem Arzt die freie Wahl der Behandlungsmethode zusteht. Häufig gibt es dazu kein eindeutiges richtig oder falsch. Auch vor diesem Hintergrund gilt, dass Sie das Gelesene nicht als einzig gültige Wahrheit ansehen sollten.

Der Verfasser der hier vorliegenden Texte ist gleichzeitig Autor eines umfangreichen Lehrbuches „Pädiatrische HNO-Heilkunde“. Die folgenden Informationen sollen allerdings nicht das Lehrbuch zur Pädiatrischen Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in gekürzter und allgemeinverständlicher Form wiedergeben. Diese Website verfolgt das Ziel, für den medizinischen Laien gut verständliche Antworten auf Fragen, welche in unserer HNO Praxis in Landshut bei der Beratung zum Thema Hals-Nasen-Ohrenerkrankungen bei Kindern im Gespräch mit den Eltern immer wieder aufkommen.

Mein Kind ist andauernd erkältet. Hat es vielleicht ein schwaches Immunsystem?

Andauernd verschnupfte Kinder mit häufigen fiebrigen Infekten sind ein trauriger Anblick. Sie strapazieren auch die Eltern, stören deren Schlaf und verlangen erhöhte Aufmerksamkeit. Und doch handelt es sich dabei in gewissem Sinne um etwas normales, jedenfalls nicht bedrohliches, sofern einige Kriterien erfüllt sind: Zwischen den Infekten sollten – wenn auch nur kurze – Infekt freie Intervalle liegen, in denen weder Ausfluss aus der Nase, noch Husten, noch Fieber, ein erholsamer Schlaf und ein unauffälliges Verhalten tagsüber bestehen. Wichtig ist auch der Blick auf Körpergröße und Gewicht. Solange die Entwicklung hier innerhalb der Normwerte bleibt, ist nur selten bei häufigen Infekten Grund zur Sorge gegeben.
Solange all dies gegeben ist, gelten bis zu zwölf „grippale Infekte“, also Infektionen der oberen Atemwege mit Viren aus der Gruppe der Adenoviren, Rhinoviren, Parainfluenzaviren, als unbedenklich und erfordern keine weiteren Maßnahmen. Man kann sogar sagen: Es ist in gewissem Umfang wichtig für Ihr Kind, dass es mit diesen Infektionen konfrontiert wird. Es gibt z.B. relativ harte statistische Daten, die besagen, dass Menschen mit häufigen Infekten in der Kindheit später seltener mit Allergien zu kämpfen haben – wobei eine Allergie nach heutiger Vorstellung als eine falsche, übertriebene immunologische Antwort des Menschen angesehen werden kann. Die genannten viralen Infekte lassen also das Immunsystem richtig reifen. Selbstverständlich liegt die Sachlage völlig anders, sobald atypische Infektionen, Infektionen mit seltenen, üblicherweise nicht krankmachenden Erregern vorkommen.

Was ist das Immunsystem eigentlich?

Nachdem der Körper großenteils aus Wasser, Zucker, Eiweiß bei 37°C zusammengesetzt ist, kann er ohne Immunsystem nicht lange bestehen. Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten würden sehr bald über ihn herfallen. Der Körper braucht also etwas zur Abwehr von o.g. Feinden. Nachdem dieses „etwas“ sich nicht auf ein einzelnes Organ reduzieren lässt, so wie Lunge oder Niere ein Organ darstellen, wird es eben nicht als Immun“organ“, sondern Immun“system“ genannt. Dazu gehören so große Teile wie die Milz, aber auch der Thymus, alle Lymphknoten, das Knochenmark, die Mandeln, alle weißen Blutkörperchen im Blut und auch alle weißen Blutkörperchen in der Haut und in den Schleimhäuten. Sie alle zusammen bezeichnet man als Immunsystem. Eines der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben des Immunsystems besteht nach heutiger Vorstellung darin, das bedrohliche als bedrohlich zu erkennen und unbedrohliches oder gar körpereigenes unangetastet zu lassen. Dabei spielt die Produktion von ganz speziellen, nur an eine Eiweißstruktur bindenden Abwehrstoffen, sogenannten Antikörpern, eine wichtige Rolle.

Wie unterscheide ich zwischen einem „grippalen Infekt“ mit Viren und einem bakteriellen Infekt?

Die Antwort ist in der Praxis schwierig und eine 100% Sicherheit kann dabei nicht erreicht werden.
Die Klinik, also das Erscheinungsbild, die Beschwerden, sind oft sehr ähnlich. In beiden Fällen kann die Nase laufen, in beiden Fällen kann Fieber vorliegen und selbst weiße Eiterbeläge auf den Mandeln, sogenannte Stippchen, können in beiden Fällen vorkommen. Erst einmal helfen Rachenabstrich und Entzündungsparameter im Blut zu Unterscheidung. Allerdings ist es wichtig, in Betracht zu ziehen, dass so manche Bakterien, die als Krankheitserreger in Frage kommen, auch bei einem kleinen Teil gesunder Kinder im Rachen vorkommen können, so z.B. Streptococcus pyogenes (gerne, aber nicht ganz korrekt, als „Scharlacherreger“ bezeichnet), oder Pneumokokken. Wenn allerdings die Beschwerden ausgeprägt sind mit Fieber, Ausfluss aus der Nase, produktivem Husten, reduziertem Allgemeinzustand, und gleichzeitig krankmachende Bakterien nachgewiesen wurden, geht man üblicherweise und pragmatisch betrachtet von einem bakteriellen Infekt aus. Vielleicht liegen auch sehr häufig kombinierte Infekte, also gleichzeitig viral und bakteriell, vor.

Was bringt die Unterscheidung zwischen viralem und bakteriellem Infekt?

Nun, der virale Infekt geht zumindest im Hals-Nasen-Ohrenbereich nur extrem selten mit Komplikationen einher und er muss und kann nach heutigem medizinischen Wissensstand nur durch das körpereigene Immunsystem bekämpft werden. Abwarten ist also gefragt. Ob sie in dieser Zeit des Abwartens ihrem Kind allerlei paramedizinische Behandlungen angedeihen lassen oder nicht, ist bei Lichte betrachtet unerheblich. Es wird wieder gesund werden und die Eltern werden es – je nach persönlicher Präferenz und Bildungsgrad – auf die Spontanheilung oder auf die Wirkung der von ihnen durchgeführten unwirksamen aber unschädlichen, manchmal aber auch dubiosen Maßnahmen zurückführen.
Anders ist die Ausgangslage bei bakteriellen Infekten: Auch sie heilt der Körper fast immer von ganz alleine aus – fast immer, und manchmal eben nicht. Dann kommt zu schweren Komplikationen. Hier gilt es aufgrund des Ortes der Infektion, aufgrund des Erregers und aufgrund zahlreicher weiterer Einflussfaktoren, die ein hohes Fachwissen erfordern, eine Entscheidung zu treffen, wann Antibiotika zum Einsatz kommen.

Wann sollen Antibiotika eingesetzt werden und was bringen sie?

Wir sprechen hier nur von Infektionen im Hals-Nasen-Ohrenbereich, und zwar von Entzündungen der Nase und der Nebenhöhlen(Rhinosinusitis), Entzündungen des Rachens (Pharyngitis) und Entzündungen des Mittelohres (Otitis media), und nur auf diese Infektionen bezieht sich der nachfolgende Text. Wir waren also – siehe oben – soweit gekommen, dass eine Unterscheidung zwischen viralen und bakteriellen Infekten wichtig ist und dass bei viralen Infekten der Einsatz von Antibiotika völlig sinnlos ist.
Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika eingesetzt werden. Ideal ist dabei die Wahl des Antibiotikums aufgrund eines „Antibiogramms“, wenn also zuvor ein Abstrich entnommen wurde und im Labor getestet wurde, welches Antibiotikum bei dem nachgewiesenen Keim eine abtötende Wirkung zeigt, auf welches Antibiotikum der Keim also empfindlich ist.
Zu beachten ist allerdings, dass nicht nur die viralen Infekte durch die Arbeit des körpereigenen Immunsystems bekämpft werden, sondern auch die bakteriellen. In vielen Fällen wird also der bakterielle Infekt ebenso wie der virale von ganz alleine, spontan ausheilen, ohne dass ein Antibiotikum benötigt wurde. Diese Erfahrung bewegt so manche Eltern, den Nutzen von Antibiotika in Frage zu stellen. Und hier liegt der Haken:
Die Antibiotika werden nämlich vor allem dazu eingesetzt, um insgesamt seltene Komplikationen der bakteriellen Infekte zu verhindern. Beispielhaft ausgedrückt: Von 100 Kindern mit einem bakteriellen Infekt wird nur ein einziges Kind eine Komplikation entwickeln, alle anderen 99 werden wieder von ganz alleine gesund. Wenn also alle genannten 100 Kinder ein Antibiotikum einnehmen, das diese Komplikation verhindert, dann wurde nur einem Kind geholfen, aber alle anderen 99 Kinder haben das Antibiotikum nicht gebraucht. Das schwierige dabei: Nachdem wir allesamt nicht in die Zukunft sehen können, lässt es sich im Voraus nicht sicher sagen, welches von den 100 Kindern die Komplikation entwickeln wird. Es bleibt also nichts anderes übrig: Alle 100 müssen das Antibiotikum einnehmen, damit einem geholfen werden kann.
Noch bildlicher dargestellt: Fast alle Autos haben heute einen Airbag, aber die allermeisten Autos werden verschrottet, ohne dass der Airbag je zum Einsatz gekommen wäre. Diese Airbags wurden also in gewissem Sinne „nutzlos“ eingebaut, denn sie haben ja ihren Nutzen nicht erfüllt. Und doch versteht jeder, dass es eben doch nicht nutzlos war.

Welche Komplikationen bei bakteriellen Infektionen sind zu befürchten?

Es gibt zwei klassische Komplikationen von Infektionen im HNO-Fachbereich, die hier besprochen werden sollen.
Wenn bei Ihrem Kind „Scharlach“ oder „Streptokokken“ (präzise: ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe = Streptococcus pyogenes) im Abstrich nachgewiesen wurden, dann sollten Sie Ihrem Kind ein Antibiotikum geben. Andernfalls setzen Sie ihr Kind einem unnötigen Risiko von schwerwiegenden, oft nicht wieder gut zu machenden Schäden der Niere, des Herzens, der Gelenke und des Nervensystems aus. Früher – vor Beginn der Antibiotikaära – war dieses Krankheitsbild des „rheumatischen Fiebers“ wohl sehr häufig, heute ist es dank der Fortschritte der Medizin erfreulicherweise sehr selten geworden.
Wenn bei Ihrem Kleinkind oder Säugling eine heftige Mittelohrentzündung mit reduziertem Allgemeinzustand vorliegt, dann sollten Sie zur Vermeidung einer Mastoiditis (muss in Vollnarkose operiert, also ausgebohrt werden), einer Labyrinthitis (führt zu bleibender Schwerhörigkeit oder Taubheit),
einer Meningitis (kann zu bleibenden cerebralen Schäden führen) nach Rücksprache mit dem Kinderarzt oder Hals-Nasen-Ohrenarzt zu einem geeigneten Antibiotikum greifen.